Jetzt wird es ernst

Ja, jetzt wird es ernst. Ich lasse Island jetzt wirklich zurück und komme wieder in die Schweiz. Meine „Ich-will-nicht-gehen“-Krise mit vielen Tränen habe ich hinter mir. Hoffe jedenfalls, dass nicht noch eine weitere kommt. Das klingt jetzt, als ob in der Schweiz nur Schreckliches auf mich wartet. Was überhaupt nicht der Fall ist. Viele liebe Menschen freuen sich auf mich und ich mich auf sie! Aber viele liebe Menschen muss ich leider auch zurücklassen und das schmerzt… Das Wetter hat sich schon seit Tagen darauf vorbereitet, mir den Abschied zu erleichtern 😉 Ich bin tatsächlich froh, dass ich dieses nasskalte Wetter nicht mehr allzu lange ertragen muss. Kommt mir vor wie November… Ausser dass es draussen hell ist.

Nur der Ernst des Lebens. Der kehrt auch wieder zurück. Ich muss zugeben, ich habe hier in Island ein bisschen ein „Plöischler“-Leben geführt. Vor allem die letzten paar Wochen, als das Dynamo-Jahr zu Ende war. Früh aufstehen gehört nicht mehr zu meinen Gewohnheiten und ein strukturierter Tagesablauf hat auch ziemlich gefehlt. Aber das wird sich ab 1. September ändern. Allerdings bin ich nicht unglücklich, dass ich noch zwei Wochen „Eingewöhnungszeit“ habe, bevor mich der Ernst des Lebens wieder voll erwischt.

Jetzt muss ich ernsthaft noch packen. Das lässt sich nicht vermeiden. Somit winke ich „tschüss“ für den Blog. Ich sehe dich sicher bald in persona wieder 🙂

 

Das (wahrscheinlich) Schönste an Island

Das Wetter ist immer noch „gruuuusig“ und ich habe mir sagen lassen, dass es für Anfang/Mitte August nicht normal ist. Ich beschwere mich leider nun täglich darüber. Klar, Island hat eine wunderschöne und einzigartige Landschaft. Aber selbst hartgesottene Naturliebhaber wie ich wollen bei diesem Wetter nicht stundenlang draussen sein.

Nichtsdestotrotz gibt es schöne Momente. Und eines der schönsten Dinge an Island sind die beheizten Schwimmbäder 🙂 Genau so eines genossen wir gestern Nachmittag. Es war herrlich, im warmen Wasser zu sitzen/liegen und es sich aufs Gesicht regnen zu lassen. Da war der Regen auf einmal erträglich bis angenehm 😉

Ansonsten gibt es nicht so viel aus meinem Leben hier zu erzählen. Ich stricke viel (fühle mich wirklich schon ziemlich herbstlich) und bereite mich so langsam aber sicher auf meine Abreise vor. Auch wenn ich eigentlich nicht will… Also versteh mich nicht falsch, ich freue mich darauf, meine Leute (dich wahrscheinlich auch) bald wieder zu sehen! Aber Abschied nehmen fällt mir immer schwer. Und Siggi zurücklassen zu müssen macht es nicht einfacher… Ich hoffe fest, dass ich es nicht dem Wetter gleichtue und dauerregne 😉

Der grosse Fischtag

Den grossen Fischtag habe ich nicht bzw. nur indirekt erlebt. Und das ist einerseits Siggis Arbeitszeiten und andererseits dem abscheulichen Wetter zuzuschreiben. Ich weiss, ich habe mir mal vorgenommen, nicht über das Wetter zu jammern, auch wenn es noch so schrecklich ist… Aber ich musste diesen Vorsatz leider schon ein paar Mal brechen. Denn, ganz ehrlich, 4°C und Regen Mitte August ist doch wirklich zum Haaröl seichen! Gut, genug beklagt, ich bin ja immer noch froh, dass ich während der grössten Hitze nicht in der Schweiz war.

Zurück zum grossen Fischtag. Der wird in Island immer im August gefeiert und zwar eigentlich an zwei Tagen (die Isländer schummeln da ein bisschen), Freitag und Samstag. Der Grund für den grossen Fischtag ist nach internen vertrauenswürdigen Quellen einfach, um sich mal wieder betrinken zu können. Ausserdem gibts noch ein paar Konzerte und, wer hätte das gedacht, Fischsuppe.

Eigentlich wollten Siggi und ich am Samstagabend wenigsten schnell vorbeischauen, damit ich es mal gesehen hätte. Aber das Wetter war wirklich „grusig“, weshalb wir entschieden haben, stattdessen zu Hause einen Film zu schauen 😀

Genau. Deshalb habe ich den grossen Fischtag nur indirekt (betrunkene Leute am Sonntagmorgen, Filmchen von Konzerten und betrunkenen Leuten auf facebook, Snapchat etc. und Erzählungen von Leuten, die dort waren). Jup. Der grosse Fischtag. Der ist jetzt vorbei.

Verslunarmannahelgin

Dieses isländische Bandwurmwort ist der Name des ersten Wochenendes im August. Übersetzt ins Deutsche heisst das „Kaufmannswochenende“. Der Tradition entsprechend ist der erste Montag im August der „Kaufmannstag“, an welchem alle Kaufleute frei haben. Da auch andere Leute gerne frei haben, hat sich dieser freie Tag auch auf andere Berufsgruppen ausgeweitet. Heutzutags haben fast alle frei. Das ist aber noch nicht genug, schliesslich ist es immer gut, auch einen Grund zum Feiern zu haben. Daher haben die Isländer das Wochenende vorher dem Kaufmannstag inkorporiert. In verschiedenen Teilen des Landes wird es unterschiedlich gefeiert.

In Akureyri ist es grösstenteils ein Familienfest mit Gumpischlössern, Trampolinen, Zuckerwatteständen und Ballontieren. Aber es kommen auch sehr viele Erwachsene ohne Kinderbegleitung in die Stadt, um gut zu essen, Kaffee zu trinken und durch die farbenfrohe und musikerfüllte Innenstadt zu schlendern.

Manche Geschäfte haben Sonderverkäufe während andere geschlossen sind. Ich habe mich heute Nachmittag für einen Rundgang durch die Innenstadt Hannes, Birna, deren Tochter Jóhanna und ihren Kindern Sunna und Haukur angeschlossen. Es war lustig, spannend und gemütlich. Sunna hat einen tollen Ballonhund mit Blume bekommen und wir haben uns im berühmten blauen Café „bláan kannan“ Kaffee und Kuchen genehmigt 😋

Für Hannes hat dieses Wochenende einen Nachteil. Wenn es vorüber ist, ist für ihn auch der Sommer vorüber. Und ja, er ist ein bisschen neidisch auf mich, da ich wahrscheinlich noch ein bisschen Sommer erleben werde. Hier ist das Wetter vergleichbar mit Oktober in der Schweiz. Nix mit Hochsommer oder so… Naja, mich stört’s nicht, aber andere schon. 😉

Leider habe ich total vergessen, Föteli zu machen und habe daher jetzt absolut nichts, um diesen Artikel ein bisschen aufzupeppen. Tja, z’Läbe…

„Raclette de Luxe“ mit einem isländischen Touch

Der einzige Tag, an dem wir Schweizer mal so richtig patriotisch sein dürfen, ist der 1. August. Nur, was macht Schweizerin, wenn sie an diesem Tag im Ausland weilt? Natürlich: Eine 1. August-Party veranstalten 😉

Meine isländischen Freunde freuten sich alle sehr über die Einladung zur Raclette-Party. Und wie eine organisierte Schweizerin habe ich natürlich den Käse importieren lassen 😉 Merci viel mal, Jethro und Jeruscha, fürs Organisieren und Transportieren des superfeinen Raclettekäses! Die Isländer haben es sehr genossen. Natürlich haben wir nicht nur Käse geschmolzen, sondern auch noch Fleisch, Champignons und Gemüse gebrätelt. Für Irgendetwas hat das Öfeli ja schliesslich eine Grillplatte, oder?! An Fleisch hatten wir isländisches Lamm mit einer Pfeffer-Knoblauchmarinade, Poulet mit einer roten Pestomarinade und Speck. Daher „Raclette de Luxe“ 🙂

Das Tolle war, dass Siggi und ich in der Hertex (Brocki) ein komplett neues Raclette-Öfeli gefunden haben! Somit hatten wir mit dem von Herdís zusammen zwei, was vollkommen ausreichte.

Natürlich habe ich, ganz patriotisch, auch Schweizerdeko aufgehängt. Vielleicht erinnerst du dich an November, als ich die Schweiz im Dynamo-Team vorgestellt habe. Zu diesem Zweck hat mein Mami mir Dekorationen nach Island geschickt. Und wer mich kennt, weiss, dass ich sehr für Recycling, Upcycling und Wiederverwenden bin. Daher habe ich die Dekorationen statt weggeschmissen aufbewahrt und gestern wiederverwendet. Tadaaa! Bin ich nicht schlau?!

Lustigerweise kennen einige Isländer Raclette bereits. Aber keiner von ihnen hat je ein Raclette mit richtigem Raclettekäse gegessen. Meistens verwenden sie irgendetwas Käsiges, wie Gouda oder so. Das kommt natürlich niemals an die Qualität echten schweizer Raclettekäses heran. Da Siggi aber ein grosser Fan von isländischem Pfefferschmelzkäse ist, wollte er unbedingt auch den im Raclettepfännli schmelzen. Hat sogar funktioniert!

Selbstverständlich waren auch sehr viele Beilagen isländisch. Ich kaufe doch keine spanischen Tomaten, wenn ich isländische haben kann! Und schon gar nicht südafrikanische Äpfel! Gut, das habe ich fürs Raclette jetzt nicht gebraucht, aber musste mich mal noch schriftlich darüber aufregen, woher Früchte und Gemüse nach Island importiert werden. Und das alles nur um des Geldes willen. Da werde ich sauer! #schattenseitenderglobalisierung

Soseli, genug aufgeregt jetzt. Schliesslich war unsere kleine 1. Augustfeier eigentlich ein ganz freudiger Anlass. Wir haben viel gelacht und geredet, Essen genossen bis fast zum Platzen und das ganze mit kühlen Getränken heruntergespült (ich weiss, sollte man nicht. Man sollte Schwarztee trinken. Dafür war es aber gestern eindeutig zu heiss, selbst in Island).

Nun ist die Party vorüber und uns bleiben viiiiiiele Resten. Ich habe wohl ein bisschen von Mamis Kochgenen erwischt, die mich daran hindern, zu wenig zu machen. Dafür hatte ich viel zu viel. Ok, das eine war der Käse. Die Damen in der Käserei haben ihrem Enthusiasmus, dass der Käse nach Island fliegt, freien Lauf gelassen und 3kg Käse abgepackt! Das konnten selbst 10 Isländer und eine Schweizerin nicht aufessen. Auch nicht, nachdem an Siggis Geburtstag vier Schweizerinnen und ein Isländer bereits eine ziemliche Portion vertilgt hatten. Jetzt leben wir halt noch eine Weile von Resten. Schliesslich kann man aus Raclettekäse, Kartoffeln, Champignons, Fleisch und Gemüse auch noch andere Gerichte zubereiten. Es braucht nur ein bisschen Kreativität 😉

Hier noch ein Föteli unserer Racletteparty-Gesellschaft:

Von links nach rechts: Ich, Elísabet, Rakel, Bjartur, Erla, Aron, Herdís, Birna, Hannes, Sunna
Foto Siggi

Übrigens, das Beitragsbild habe ich hier geklaut:
https://www.cross.ch/freundschaftspins/fahne-schweiz/Fahnen-Pins-Schweiz-Island.jpg

Gebetsanliegen vom 1. August 2019

Uff, viiiiiel Zeit ist vergangen, seit ich das letzte Mal Gebetsanliegen aufgschrieben habe. Unterdessen ist das Dynamo-Jahr zu Ende und ich fliege schon bald in die Schweiz zurück. Danke, wenn du weiterhin betest 🙂

Dank:

  • Für ein geniales Jahr in Island!
  • Für die neuen Freundschaften und guten Erlebnisse
  • Für die Beziehung zu Siggi. Es ist wie ein Wunder, à la „wer nicht sucht, der findet“ 😉
  • Für die tolle Zeit mit meinen drei verrückten Hühnern 😀 Es war super, sie hier zu haben!

Fürbitte:

  • Dass ich die letzte Zeit in Island geniessen kann und mir nicht zu stark „nutzlos“ vorkomme.
  • Für alle neuen Projekte, die Ende August / Anfang September hier starten.
  • Dass ich gut in der Schweiz ankommen darf und der Kulturschock nicht zu gross wird.
  • Dass Siggi und ich die Monate der räumlichen Trennung gut überstehen.

Zügeln auf isländisch – oder Effizienz ist Ansichtssache

Gestern haben Siggi und ich seinen Freunden Bjartur und Rakel beim Zügeln geholfen. Sie bleiben in Akureyri, sind nur von einem Stadtteil in einen anderen gezogen.

Interessant fand ich, dass sich die „Gemütlichkeits-Kultur“ auch im Zügeln zeigt. Zum Ersten haben wir erst nachmittags um 14:00 Uhr angefangen, um diese Zeit wären wir in der Schweiz schon fast fertig 😉 Da es die Isländer mit der Pünktlichkeit aber nicht allzu genau nehmen, startete der eigentliche Umzug erst nach 15:00 Uhr. Gut, das ist das Erste.

Der zweite Unterschied ist, dass nach und nach erst geputzt wird. Das Sofa stand zum Beispiel, bis es eingeladen wurde, noch an Ort und Stelle und der Boden darunter/dahinter sah entsprechend aus. Drreeeeeckig! Und voller Dinge, die nicht unter/hinter ein Sofa gehören 😉 So habe ich mich ans Staubsaugen gemacht. Immerhin, die Küche und das Bad waren schon geputzt. Aber hier ist „geputzt“ wahrscheinlich auch Ansichtssache. Oder Kulturunterschied. Also es war schon sauber, versteh mich richtig! Aber ich habe halt, wenn es ums Zügeln geht, noch ein bisschen andere Vorstellungen, was „sauber“ denn genau bedeutet. Für mich heisst das „blitz-blink-super-glänzend-so-dass-man-vom-Boden-essen-kann“-sauber. Aber vielleicht ist das auch Familienkultur und nicht nur schweizer Erbe. Was denkst du dazu? Und ich glaube auch, dass sie jetzt, wo alles aus der Wohnung raus ist, nochmal einen Putzdurchgang machen.

Manche Dinge wurden auch gar nicht eingepackt sondern lose in ein Auto oder den Zügellastwagen verstaut. Ich fand es spannend, wieviel kleiner Krimskrams am Schluss immer noch herumstand oder lose herumlag. Klar, manches davon wurde auch nicht gezügelt, sondern entsorgt, aber wir hatten am Schluss doch noch einen Putzeimer voll Kleinigkeiten, diverse kleine Körbe und Täschchen, die zum Teil gefüllt waren und, nicht zu vergessen, das Kaninchen Ronja in ihrem Käfig. Zwei lange Putzstangen mit Mobb daran und eine Fischerrute mussten wir wegen Platzmangels noch da lassen. Ich glaube, die werden heute abgeholt.

Soseli, jetzt will ich euch aber ein paar Bilder nicht vorenthalten. Obwohl ich, den Bildern nach zu urteilen, masslos übertrieben habe. Naja, die schlimmsten Dinge habe ich auch nicht gefötelet 😉

Viele, viele Kartons und Säcke stehen zum Abholen bereit. Aber das ist noch längst nicht alles!
Praktisch, so ein Lift-Dingsbums. Vitamin B hilft dabei auch. Vorallem was den Preis angeht 😉
Vom Balkon aus konnte ich das lustige Treiben gut fotografieren
Lift-Dingsbums am neuen Ort. Hat ganz schöne Spuren im Rasen hinterlassen…
Viele, viele Kartons wollen ausgepackt werden
Jap, das alles gehört Bjartur und Rakel und will irgendwie nicht selber in den 3. Stock…

Um ca. 20:30 Uhr hatten wir den Umzug geschafft und durften nach Hause gehen. Für mich war es so selbstverständlich, ihnen zu helfen, schliesslich sind sie unterdessen auch meine Freunde. Aber Rakel hat kaum aufgehört, mir zu danken für meinen Einsatz. Und auch Bjartur war sehr dankbar. Dies ist einerseits schön, andererseits ein bisschen schade, dass es anscheinend für andere Leute nicht selbstverständlich ist, dass man sich unter Freunden aushilft. Rakel und ich waren die einzigen Frauen und als wir bei der neuen Wohnung ankamen, waren nur noch Siggi, Bjartur und ein dritter Mann namens Örn da. Die anderen Zügelhelfer waren bereits wieder gegangen.

Ganz und gar nicht isländisch war das Wetter! Wir hatten den ganzen Tag Sonnenschein, was einfach perfekt war. Merci Jesus! Zwar schwitzten wir ein bisschen mehr, als wir das bei kühlerem Wetter getan hätten, aber ich war sehr dankbar, dass es nicht geregnet hat. So konnten wir die Sachen ohne Bedenken draussen rumstehen lassen.

Ja und jetzt habe ich noch eine Raclette-Party für meine isländischen Freunde vorzubereiten 😀 Schliesslich kann ich den 1. August nicht einfach so sang-und klanglos verstreichen lassen!

Tschüss, mach’s gut, bis zum nächsten Mal!

Meine drei verrückten Hühner sind seit Freitag wieder zurück in der Schweiz und haben jetzt auch ihr Gepäck wieder. Wir verbrachten wunderbare 10 Tage voller Lachen, tiefer Gespräche, Ausflügen, kleinen Abenteuern und erholsamen Nächten. Es war super, die drei Frauen hier zu haben und ihnen Island lieb zu machen.

Bald ist auch meine Zeit hier abgelaufen und ich fliege am 16. August zurück in die Schweiz. Darum sage ich dir hier: „Tschüss, mach’s gut, bis zum nächsten Mal!“ Und verabschiede mich aus dem Blog.

Aber wie du sicher weisst, gilt für mich: Einmal Island, immer wieder Island. Und wer weiss weiss, vielleicht bist du ja auch mal dabei?