Hoppla, wie die Zeit verfliegt!

Ja, ich weiss, ich habe mich viiiel zu lange nicht mehr gemeldet… Das tut mir auch ausdrücklich leid und ich mache es wieder gut, indem jetzt ich einen umso längeren Artikel schreibe 😉 Nein, keine Sorge, ich bombardiere dich nicht mit lauter Dingen, die du gar nicht wissen willst. Oder vielleicht doch? Das musst du entscheiden. Aber wenn dem so wäre, dann gib mir doch eine Rückmeldung! Schliesslich ist dieser Blog nicht dafür da, dich zu langweilen, sondern dich auf dem Laufenden zu halten und ein wenig zu amüsieren 🙂

So, nun sind wir alle wieder in Akureyri (eigentlich schon seit letztem Donnerstag Mitternacht, aber das tut nichts zur Sache 😉 ) und es ist echt schön, ein bisschen grauer Alltag zu haben. Auch wenn im Dynamo-Jahr „Alltag“ nicht so eng gesehen werden darf. Wir haben immerhin ein paar Wochen mit nicht allzuviel Spezialprogramm vor uns und das tut zur Abwechslung echt gut! 🙂

Reykjavík ist nach wie vor eine Stadt voller Rätsel für mich. Ich bin ziemlich froh, dass ich dort nicht dauerhaft leben muss, aber Kurzaufenthalte meistere ich unterdessen ziemlich gut 😀 Ich mag die Stadt eigentlich und vor allem die Leute im Heilsarmeekorps dort sind extrem offen, freundlich und ehrlich. Viele von ihnen haben bereits Einiges durchgemacht und haben in der Heilsarmee eine neue Familie gefunden. Und das ist der Geist, den ich dort spüre: Wer hereinkommt, wird willommen geheissen und nach kurzer Zeit in die Familie aufgenommen. Das ist wunderbar!

Reykjavík: Hagel und Sonnenschein. Im Hintergrund die berühmte „Hallgrimskirkja“

Hier in Akureyri hat die Planung des nächsten Schuljahres angefangen und ich bin echt begeistert von den Projekten! 🙂 Mein Herz sagt „Bleib hier und sei Teil davon“, was mein Verstand sagt, habe ich bis jetzt noch nicht schlüssig herausgefunden… Wir werden sehen.

Der Frühling hat sich erst ein bisschen bemerkbar gemacht. Vorgestern haben wir festgestellt, dass es ziemlich warm ist draussen! Das bedeutet in isländischem Wetter: ein paar Grad über Null und keine Mütze und Handschuhe benötigt. Das war unser erster Vorgeschmack auf den Frühling 😀 Heute Nacht hat dann der Winter wieder zugeschlagen und heute war der Boden wieder schneebedeckt. Aber wir geben nicht auf, der Frühling kommt bestimmt!

Unser Garten ist wieder im Schnee, wie so oft in diesem Winter. Anscheinend lässt sich der Frühling noch ein weng Zeit

Was willst du mit mir, Gott?

Bevor ich mich auf die nächste Reise begebe, ist es Zeit, dir vom letzten Wochenende in Norwegen zu erzählen. Heute Abend machen Hannes, Birna, Herdís und ich uns auf den Weg nach Reykjavík. Der ansatzweise Frühling der letzten zwei Tage ist komplett verschwunden und der Winter hat mit Schnee und Wind wieder Einzug gehalten. Ich hoffe und bete, dass wir heil in Reykjavík ankommen…

Am Freitagmorgen früh (2:50 Uhr) holte uns ein Taxi vor dem Haus ab und wir fuhren zum Flughafen Akureyri. „Wir“ waren zu diesem Zeitpunkt Herdís, Drea, Lára und ich. Am Flughafen trafen wir Siggi, Ollý und Erla, die mit uns zusammen nach Norwegen reisten. Ja, Norwegen. Was genau haben wir da eigentlich gemacht? Gute Frage! Wir haben zuerst ein Wochenende der Heilsarmee besucht, das den Namen „Design for Life“ trägt. Dabei geht es darum, herauszufinden, was Gott mit meinem Leben möchte. Es stand ganz unter dem Thema „Was willst du mit mir, Gott?“ Wir hörten viele Vorträge über verschiedenste Themen, die uns die Grundlagen des christlichen Lebensstils vermittelten. Aber es gab auch Gelegenheit, das Gelernte praktisch anzuwenden und mehr über sich selbst herauszufinden.

Für mich persönlich war dieses Wochenende nicht exrem herausfordernd, da ich doch schon seit mehr als zwanzig Jahren mit Jesus unterwegs bin und unterdessen ziemlich sattelfest in meiner Identität bin. Trotzdem war es ein super Wochenende mit vielen neuen Bekanntschaften. Meine besondere Freude war, zu sehen, wie sich Erla und auch Siggi voll investierten und von diesen Vorträgen und Diskussionsgruppen profitieren konnten 😀 Das war super zu sehen!

Am Montagabend sind dann Erla, Ollý und Siggi wieder nach Akureyri zurückgereist (auf abenteuerliche Weise, mit einem ungeplanten Umweg über Schweden), während wir Dynamo-Frauen noch zwei Nächte in Oslo verbracht haben. Das Wochenende „Design for Life“ fand in Moss statt, dass etwa 40min mit dem Zug von Oslo entfernt liegt. Wir haben uns also am Sonntagnachmittag auf den Weg nach Oslo gemacht, haben am Abend einen Jugendgottesdienst der verschiedenen Heilsarmeekorps in Oslo besucht und am Montag hatten wir dann die Möglichkeit, verschiedene Departemente des Territorialen Hauptquartiers in Oslo zu besuchen. Es fiel mir nicht schwer, die Departemente zu wählen 🙂 Ich durfte die Departemente „Anti-Menschenhandel“ und „Internationale Entwicklung“ besuchen.

Entgegen meiner Hoffnung weiss ich jetzt nicht mehr darüber, was ich im Sommer machen soll, aber nichtsdestotrotz war es ein sehr spannender Tag! Mein Kopf brummte danach ziemlich von den vielen Informationen, aber das war es durchaus wert! Ich weiss jetzt etwas mehr, was die Heilsarmee in Norwegen gegen den Menschenhandel unternimmt und wie die internationale Zusammenarbeit auf Projektebene aussieht.

Sehr interessant ist das Label „others“ der Heilsarmee. Es unterstützt Projekte in Niedriglohnländern, um den Arbeitern und Arbeiterinnen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Hier kannst du reinschauen, was „others“ so fabriziert. Und wer weiss, vielleicht sehe ich ja das eine oder andere Produkt, wenn ich dich das nächste Mal besuche? 😉

https://www.tradeforhope.com/

Auch wenn die Frage im Titel für mich noch nicht beantwortet ist, bin ich doch dankbar für diese Erlebnisse 🙂 Ich hoffe sehr, dass ich bald herausfinde, wo mein Platz nach dem Dynamo-Jahr ist. Ich will mich Gott voll und ganz zur Verfügung stellen, denn was er mir gibt, kann mir niemand anderes geben!

Die isländische Wetterdiva

Gestern sind wir aus Norwegen zurückgekehrt (übrigens ein super Wochenende, davon später) und haben Drea und Lára in Reykjavík zurückgelassen. Keine Angst, sie wollten das so! 😉

In Keflavík (wo der Flughafen ist) war es ausnahmsweise mal schön, wenn auch ziemlich windig. Aber schon Reykjavík, eine halbe Autofahrtstunde später, empfing uns mit Regen. Lára sagte, das schlechte Wetter in Island ist sehr loyal. Für den südwestlichen Teil der Insel gilt das ganz bestimmt. Aber auf dem Weg nach Akureyri hat sich herausgestellt, dass das Wetter in Island eben doch eine Diva ist, die sich nicht entscheiden kann.

Herdís und ich sind mit dem Mietauto nach Akureyri gefahren und die Wetterdiva hat uns begleitet: Zuerst Sonnenschein und Wind, dann Regen, Schnee, Nebel und in Borgarnes sogar Hagel! Wir wollten Kaffee holen und genau in dem Moment, als Herdís den Motor auf dem Parkplatz abstellte und wir aussteigen wollten, begann es zu hageln. Wir warteten ein paar Minuten und das Ganze war vorbei.

Auf der Strasse in den Bergen war die Sicht vom hochgewirbelten Schnee so schlecht, dass wir nur 30km/h fahren konnten. Zusätzlich war die Strasse teilweise mit einer 5-10cm dicken Schicht „Pfludi“ bedeckt. Trotz allem wurden wir bewahrt und sind glücklich und heil in Akureyri angekommen 🙂

Einen Vorteil hat dieses Wechselspiel: Gefällt dir das Wetter nicht, wartest du fünf Minuten und du hast anderes 😉

Ps: Auf diesen langen Autofahrten trainiert Herdís mit mir isländisch 😀 Das ist super, ich kann mich bereits ein bisschen unterhalten 🙂

 

Arbeit ist nicht alles

Diese Woche war etwas ruhiger. Daher habe ich Zeit, einen Artikel zu schreiben, der einen etwas anderen Einblick in das Dynamo-Team gibt. Also du wirst vor allem Drea sehen 😉 Wenn Drea singt, braucht sie auch ein Mikrofon! Und da ist es eigentlich ziemlich egal, um welchen Gegenstand (oder auch nicht Gegenstand) es sich dabei handelt. Aber sieh doch selbst:

Zuerst fungiert Aron als Mikrofon…

 

… dann ist er selbst der Sänger
Ein Putzmittelspray geht genau so gut…
…wie das Rohr der Abwaschmaschine
Ein Kreuz (schliesslich sind wir Christen! 😉 )
Auch Slimey, selbstgemacht, funktioniert als Mikrofon. Leider nur temporär…
Etwas beständiger ist dagegen der Kerzenhalter
Diverse Küchenutensilien werden als Mikrofon zweckentfremdet. Hier z.B. ein Backhandschuh
Oder ein Messer. Wir sind jederzeit gerüstet!
Auch der „Härdöpfustünggu“ kommt nicht davon
Genauso wenig wie das Abwaschmittel…
…der Wasserkocher…
…das „Chuechetröli“…
…die Bratpfanne…
…oder das Gitter der Fritteuse.
Zu guter Letzt musste auch noch die Lampe dran glauben 😉

Eine Armee ohne Soldaten?

Die letzten Tage waren wir in Nes, in der Nähe von Borgarnes (ca. eine Stunde Autofahrt von Reykjavík entfernt). Wir haben dort eine Art „Soldatenkurs“ gemacht. Aber es war Keiner im herkömmlichen Sinn. Ein junges isländisch-norwegisches Offiziersehepaar kam zu uns, um mit uns darüber auszutauschen, was es bedeutet, ein Soldat der Heilsarmee zu sein. Wir schauten uns die 11 Glaubensartikel der Heilsarmee genauer an und das Soldatengelübde. Auch über die Uniform, die Sakramente und warum wir sie in der Heilsarmee nicht praktizieren, haben wir gesprochen.

Es war weniger trockener Frontalunterricht als vielmehr ein gemeinsames Herausfinden. Thea und Andreas Welander waren sehr gut vorbereitet, haben uns viele kritische Fragen gestellt, uns herausgefordert und viel Hintergrundwissen mitgebracht. Ich habe es total genossen, eine Auffrischung darüber zu haben, was es bedeutet ein Soldat der Heilsarmee zu sein. Es ist ja doch schon fast 7 Jahre her, seit ich mich entschieden habe, das Soldatengelübde abzulegen. Ich persönlich wurde neu motiviert, gegen das Böse in dieser Welt zu kämpfen, nicht aufzugeben und mich immer wieder neu bei Gott füllen zu lassen.

Der Frage im Titel haben wir uns auch gewidmet. Was wäre die Heilsarmee ohne Soldaten? Was macht uns zu einer Armee und wer ist unser Feind? Ich habe keine Ahnung, was du darüber denkst, aber vielleicht wäre es wert, dir diese Fragen mal zu stellen.

Wir hatten den Auftrag, unser Verständnis davon, was Heilssoldat-Sein bedeutet, in einem Bild festzuhalten. Mein Bild sieht so aus:

Es soll darstellen, dass ich mich immer wieder von Gott füllen lassen will, indem ich die Beziehung zu ihm lebe. Wenn ich von ihm erfüllt bin, kann ich Menschen dienen.

Neben vielen Gesprächen und Lernen kam auch der Spass nicht zu kurz! Wir haben einen halben Tag lang die Umgebung angesehen und am ersten Tag im wahrsten Sinne des Wortes das Eis gebrochen 😉

Eisbrecher am Werk

Das Ergebnis sieht dann etwa so aus 😉

Der Ausflug zum „Barnafoss“ (sprich „Bardnafoss“, bedeutet „Wasserfall der Kinder“) war eindrücklich. Der Wasserfall hat seinen Namen einer traurigen Geschichte zu „verdanken“. Eine Familie war bei Freunden zu einem Weihnachtsessen eingeladen, liess aber zwei Kinder zu Hause. Als der Rest der Familie zurückkehrte, waren sie nicht mehr da. Sie folgten den Spuren, welche zum Wasserfall führten. Die Kinder wollten den Fluss mit Hilfe des natürlichen Steinbogens überqueren, der sich darüberspannte. Sie fielen aber hinein und ertranken… Die Mutter der Kinder liess daraufhin den Steinbogen zerstören, damit nicht noch mehr Menschen in die Tiefe fielen.

Über diese tosenden Wassermassen spannte sich einst ein Steinbogen

“Eine Armee ohne Soldaten?” weiterlesen

Fasnacht auf Isländisch

Ja, stell dir vor: Auch in Island wird Fasnacht gefeiert! Allerdings komplett anders als in der Schweiz. Kindergesänge statt Guggenmusik und viiiiiiel traditionelles Essen. Es sind drei wichtige Tage die nicht unbedingt einen Zusammenhang haben. Die drei Tage Montag und Dienstag vor Aschermittwoch und der Aschermittwoch selber werden jeweils individuell begangen. Leider kenne ich die genauen Hintergründe der Feiertage nicht, ich weiss nur, dass am „Sprengidagur“ Fleisch bis zum Platzen gegessen wird, weil am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Das Fasten vor Ostern ist allerdings etwas in den Hintergrund gerückt und man begeht die Feiertage gerne ohne die folgende Fastenzeit.

Der Montag ist der „Bolludagur“ (sprich: „Bollüdagür“). An diesem Tag werden spezielle Kugeln mit Rahmfüllung, sogenannte „rjómabollur“ (sprich: „rjoumabollür“) gegessen. Auch Berliner und andere süsse Backwaren in Kugelform sind am „Bolludagur“ willkommen 🙂

Traditionelle „rjómabollur“ mit Schokoladenhaube und Rahm-Confitürefüllung

Der Dienstag ist „Sprengidagur“ (sprich: „s-prenggidagür“), der so heisst, weil man isst, bis man platzt. Und zwar nicht irgendetwas, sondern „saltkjöt“ (gesalzenes Fleisch). Wir haben diesen Tag in unserem Team nicht wirklich gefeiert, daher hier ein Foto aus dem Internet, wie dies ungefähr aussieht:

Saltkjöt og baunir, wie es traditionell am Sprengidagur gegessen wird
Quelle: https://www.vino.is/wp-content/uploads/2017/02/saltkjotbaunir-1024×768.jpg

Der Höhepunkt der ganzen Festlichkeiten ist der Aschermittwoch, in Island „Öskudagur“ (sprich: „Ösküdagür“) genannt. Die Kinder verkleiden sich an diesem Tag und singen in verschiedenen Läden und Firmen, um Süssigkeiten zu erhalten. In Akureyri haben die Kinder schulfrei und das Singen beginnt bereits um 7:00 morgens. Die Bilder von diesem Tag liefere ich nach, sobald ich welche habe 😉

Hier nun die Bilder:

Wir waren Sunnas Unterstützung und haben uns auch verkleidet 🙂 Ich bin ein wunderschöner Schmetterling! 😀
Foto Herdís

Unterwegs trafen wir auf Kinder in originellen Verkleidungen 😀 In der Mitte ist Rakel als Getränkeverpackung 😀

Sunna und ihre Ausbeute 🙂

Im Radio

Vor ein paar Wochen war ich Gast beim christlichen Radiosender „Lindin“ in Akureyri, um von Gebetserhörungen zu erzählen. Ich war die Letzte aus der Reihe des Dynamo-Teams.

Hier kannst du das Interview anhören, es ist in englisch und isländisch (du musst ein bisschen scrollen, es ist das Dritte):

https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Flindin.is%2Feinstakir-thaettir%2F%3Fsapurl%3DLythZGZlL2xiL21zLytkeWNiZ3ZwP2JyYW5kaW5nPXRydWUmZW1iZWQ9dHJ1ZQ%26fbclid%3DIwAR2mYAG3ytWBna7pf_6RpI9gQKZoq9ZR9HT-tF9ZQNE7ixZSotLfEtA4hWw&h=AT2BkNEWNt71GVj5DMKSd55I555J7gXLmRDNF4iKSLGtPnpsiOuYIudQGLVGoesM4E0W7Qz_hJeP7esVH-Ad224lvAy5jltpc-KJAJk02Qn0nnjNGxnpg1fkUAbTpg

 

Wir sind wieder dahaaa!

Jaaa, wir sind zurück in Akureyri! 😀 Leider sieht das Winterwunderland nicht ganz meinen Erwartungen entsprechend aus… Der Schnee ist grösstenteils geschmolzen und Island hat uns mit Regen und sturmartigen Windböen willkommen geheissen. Nichtsdestotrotz ist es genial, wieder hier zu sein. Eine wohlige Wärme hat sich in mir breit gemacht, als wir Akureyri vom Hügel aus sehen konnten. Ja, hier bin ich im Moment zu Hause! Wohin mich mein weiterer Weg führt, weiss ich immer noch nicht, aber ich bin zuversichtlich, dass ich rechtzeitig die nötigen Informationen erhalte 🙂

Heute ist nach dem Sturm wunderschönes Wetter. Die Sonne scheint und wir sind voller Tatendrang 🙂 Es stehen so viele wunderbare Erlebnisse an! Ein paar Tage in einem Ferienhaus, ein Wochenende in Reykjavík, ein paar Tage in Norwegen, eine Woche in Reykjavík, ein paar Tage in London und im Mai meine Eltern zu Besuch! 🙂 Ich werde im Detail mehr darüber erzählen, was wir wo genau machen. Jetzt im Moment bin ich einfch froh, wieder in Akureyri zu sein, obwohl die zwei Wochen auf den Färöern super waren!

PS: Färöische Besonderheiten

Da habe ich doch glatt ein paar Dinge vergessen, die auch noch so interessant sind. Die Färinger haben zum Beispiel keine Klingel an der Tür. Kommt man also zu Besuch, muss man entweder laut klopfen oder die Tür öffnen und „hallo“ rufen. Ah ja, die Türen sind natürlich auch nicht abgeschlossen, sonst könnte man sie ja nicht einfach so von aussen öffnen 😉

Färinger haben ausserdem eine ganz besondere Vorliebe für alles was Pfefferminzgeschmack hat. Sei es in Kuchen, Schokolade oder Keksen, das spielt keine grosse Rolle. Sie mögen auch Lakritz, wie die Isländer, und es gibt oft nach der Hauptmahlzeit Kaffee und Schwarztee mit Keksen, Kuchen und kleinen Süssigkeiten. Das schweizerische Bettmümpfeli wird auf den Färöern zu „Drekkamun“ und besteht nicht nur aus Getränken (Kaffee und Schwarztee), wie man vermuten könnte, sondern eben auch aus Kuchen, Glacé und/oder Crèpes. Wir haben beschlossen, eine zuckerfreie Zeit einzulegen, wenn wir wieder in Akureyri sind. Wir haben in den letzten zwei Wochen extrem viel Süsses gegessen und Getrunken!

Die färöischen Inseln sind sehr christlich. Die meisten bezeichnen sich als Christen und Kirchen gibt es auch in Dörfern, die keinen einzigen Laden haben. Daher ist es auch kein Wunder, dass der Saal, in dem gestern ein Gospel-sing-along-Konzert stattgefunden hat, voll war. Ich bin immer noch überrascht von der Musikalität der Färinger! Sie singen und spielen im Durchschnitt besser als andere Nationen (Angaben ohne Gewähr 😉 ), ABER (GROSSES ABER!!): Sie klatschen auf 1 und 3!! Neeeeeeiiiin, nein, nein, nein, nein, NEIN!!! Ich habe versucht, mich nicht zu stark aufzuregen und das Konzert trotzdem zu geniessen. Hat so halb geklappt…

Super Musiker und Sänger!

Die Färöer gehören politisch zu Dänemark, weshalb in der Schule dänisch gelehrt wird. Aber das Dänisch der Färinger hört sich eher wie Norwegisch an und wird „Göte-Dansk“ („Göteborg-Dänisch“) genannt. Heilsarmeetechnisch gehören die Färöer aber zum Territorium Norwegen, deshalb sprechen sehr viele Leute in der Heilsarmee Norwegisch. Lára und Drea haben mir gegenüber da einen Vorteil, denn im Gegenzug ist das Englisch der Färinger nicht besonders gut. Trotzdem hat die Kommunikation in den allermeisten Fällen funktioniert 🙂 Ein bisschen färöisch habe ich hier gelernt. Das Schriftbild ist sehr ähnlich wie isländisch, aber die Aussprache komplett anders, das kann verwirren. Ich habe keine besonderen Ambitionen, färöisch zu lernen und bleibe bei isländisch 🙂

Heute ist unser letzter Tag auf den Färöern und wir waren zum Zmittag bei Henrietta und Sámal, den Korspleitern, zu Fisch eingeladen *schleckmjam* 🙂 Ich wurde gefragt, ob ich heute Abend im Gottesdienst ein Lied auf berndeutsch singen und spielen könnte. Werde ich. Dann geniessen wir noch den letzten Abend auf den Färöern und morgen früh um 6:00 geht’s wieder ab nach Island.

Bis bald aus Akureyri!

Färöische Besonderheiten

Tatsächlich gibt es auf den Färöern ein paar Besonderheiten, die vor allem für Schweizer interessant sind. Spannend finde ich einerseits, dass alle Familien, die wir bis jetzt besucht haben, Victorinox-Besteck benutzen 😀 Bis zu meinem Auftenthalt auf den Färöern wusste ich nicht mal, dass es nicht nur Victorinox-Messer sondern auch Gabeln und Löffel gibt! 😀 Ich fand das ziemlich amüsant 🙂

Auch spannend war, dass der Heidi-Film im färöischen Fernehen kam 🙂 Das Kinderprogramm zeigte den alten Film mit einer Frauenstimme, die den Text auf färöisch sprach.

Am letzten Sonntag wurde ich von einer Frau, die Mitglied in der Heilsarmee in Vágur ist, in die Schule eingeladen. Sie ist Deutschlehrerin und fragte mich, ob ich in ihre Deutschklasse kommen könnte und etwas über mich erzählen würde. Es war spannend und lehrreich zugleich. Färinger können Deutsch als Freifach wählen. Die Klasse bestand aus sechs vierzehn- und fünfzehnjährigen Teenagern, die alle motiviert waren deutsch zu lernen. Sie verstanden fast alles, was ich erzählt habe und konnten auch ein wenig sprechen. Nicht besonders gut, aber immerhin. Karina, die Lehrerin, spricht nicht einwandfreies Deutsch, das ist verständlich. Aber es war lustig, mal wieder deutsch zu sprechen, wenn auch Schriftdeutsch…

Lou wiedermal in der Schule
(Foto Lára)

Wir haben Karina auch am Mittwoch noch einmal in der Schule besucht, diesmal aber nicht die Deutschklasse sondern ihre „normale“ Klasse. Sie unterrichtet eine sechste Klasse, ca. 15 Zwölf- und Dreizehnjährige. Wir haben uns vorgestellt, etwas von uns und dem Dynamo-Projekt erzählt und dann mit ihnen Spiele gespielt. Interessanterweise sind die Schulen auf den Färöern alle christlich. Somit ist es kein Problem, die Schüler zu Heilsarmee-Anlässen einzladen und in der Schule vom persönlichen Glauben zu erzählen. Ich fand das spannend, da das doch in der Schweiz ein Kündigungsgrund sein kann… Echt schade…

Gestern haben wir einen kleinen Ausflug rund um die Insel Suðuroy gemacht, aber da das Wetter regnerisch und neblig war, habe ich kaum gute Bilder. Aber die Insel Suðuroy ist definitiv einen Besuch wert!

Die Küstenlinie im Nebel

Hier ein paar Fotos von unserem Kurzausflug zu den Klippen am Dienstag:

Hat da jemand ein Stück vom Berg weggegessen?

Wunderschöne Küstenlinie