Opið hús

Heute hatten wir die erbetenen 10 Kinder im „opið hús“! Ich freue mich extrem!! Viele dieser Kinder kommen aus sozial schwachen und zerrütteten Familien. Gerade für diese Kinder wollen wir einen sicheren Ort bieten,  wo sie einfach Kinder sein dürfen und sich wohl fühlen. Mein isländisch profitiert sehr von den Kindern 🙂 Die meisten können zwar ein bisschen englisch, aber ich habe ihnen gesagt, dass sie isländisch mit mir sprechen sollen. Oft muss ich nachfragen und manchmal verstehe ich es auch nach dem 3. oder 4. Mal noch nicht, aber die Kinder haben oft viiiiel Geduld und irgendwie klappt die Kommunikation immer 🙂
Ich hoffe sehr, dass die Kinder, welche bis jetzt gekommen sind, weiterhin kommen. Für Halloween haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht: Wir veranstalten eine „Halló vin“-Party, was soviel wie „Hallo Freund“ bedeutet. Ich finde das Wortspiel super und freue mich darauf, den Kindern eine Alternative zum gruseligen und okkulten „Spiel“ aufzuzeigen.

Die Kinder lauschen der Geschichte von Zachäus
Beim „Zytig läse“- Spiel auf isländische Art: mit Hindernissen 🙂

Wunderbarer Sonntag

Der Sonntag war ein Tag mit lauter schönen Erlebnissen 🙂 Zuerst habe ich ausgeschlafen, da wir erst am Abend Gottesdienst hatten. Um 13:00 starteten wir mit Unihockey, das hat grossen Spass gemacht! Wir waren sehr viele Leute, so dass wir drei Teams gemacht haben. Meistens sind wir zwischen 6-10 Leute, gestern waren es um die 20 😀 Ich habe meistens mit Herdís, Kolla, Elfar (sprich Elwar) und Aron gespielt. Aron war unser Torhüter und da er Eishockeygoalie ist, war es für die Gegner schwierig ein Tor zu schiessen. So haben wir manchmal Aron gegen Ólafur (sprich Oulawür) getauscht. Ólafur ist einer der Teenager in der Heilsarmee. Er ist 14 Jahre alt aber über 1.80m gross! Manchmal wird er überschätzt, weil er älter aussieht als er ist. Er ist ein riesiger Teddybär, mit einem weichen Herzen 🙂

Nach dem Unihockey habe ich schnell geduscht und mich bereit gemacht für ein klassisches Konzert, das ich mit unserer Offizierin Birna besuchte. „Unsere“ beiden estnischen Profimusiker, Risto und Tiiu Laur, haben bei einem Konzert im „Hof“ (kulturelles Zentrum von Akureyri) mitgemacht. Das Konzert fand unter dem Namen „Hljómur Eistlands“ (Estnische Klänge) statt. Risto hat als Pianist und Komponist eines Stücks gewirkt und Tiiu als Solosängerin eines Stücks. Es war wunderbar! Nach dem Konzert war ich voller positiver Emotionen, bin fast nach Hause geschwebt! 🙂

Wieder zu Hause stieg mir der Duft des Abendessens in die Nase. Lára hat Reis und Poulet an einer Mangochutney-Sauce gekocht. Es war seeeehr lecker!
Und dann machten wir uns auf den Weg in die Heilsarmee, zum Abendgottesdienst. Im letzten Beitrag habe ich geschrieben, dass meine Spezialaufgabe für diese Woche darin besteht, einen Bibeltext zu lesen und zu beten. Ich tat beides in isländisch, war unglaublich nervös und hatte danach Schweissperlen auf der Stirn. Aber ich habe es geschafft und ganz viele Komplimente bekommen! 🙂 Das hat mich natürlich sehr gefreut! Auch habe ich im Chörli mitgesungen, das den Lobpreis gestaltet hat. Mit Risto als Pianist und Tiiu als Chorleiterin. Die Beiden sind wirklich eine Bereicherung für die Heilsarmee in Akureyri!!

Ps: Es tut mir leid, dass ich nicht mehr so viele Fotos zu meinen Beiträgen habe… Leider denke ich nicht mehr so oft daran, Fotos zu machen…

Wochenrückblick

Heute gibt es einen Rückblick zur vergangenen Woche. Zuerst einmal: Wir haben einige Schwierigkeiten im Team, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Mir persönlich geht es sehr gut, daher kein Grund, sich Sorgen zu machen. 😀

Die vergangene Woche war Herdís mit den Teenagern, die nächstes Jahr konfirmiert werden, in Norwegen in einem Konfirmationslager. Sie fungierte dort als Übersetzerin für die isländischen und färöischen Teilnehmer.

Wir, als Dynamo-Team, hatten und haben immer noch verschiedene Aufgaben zu erledigen. Meine Aufgabe ist es, morgen im Gottesdienst einen Text aus der Bibel vorzulesen und zu beten. Ich möchte dies in isländisch tun, muss aber noch etwas üben 😉
Abgesehen von diesen Aufgaben war es eine ziemlich normale Woche. Wir halfen in den verschiedenen Programmen aus und waren manchmal auch einfach nur dabei. Da Ingvi und Hjördís (die Offiziere aus Reykjavík) hier in Akureyri zu Besuch waren, hat Hjördís am Montag mit uns eine Lektion zum Thema „Die Geschichte der Heilsarmee in Island“ gehalten. Es war sehr spannend und wir haben anschliessend die Unterschiede der Heilsarmee in den verschiedenen Ländern und die Herausforderungen, die eine solch grosse Organisation hat, diskutiert. Am Schluss hat sie noch ein Interview mit uns gehalten, das in der Weihnachtsausgabe des isländischen „Kriegsruf“ erscheinen wird. In Island hat die Heilsarmee nur zweimal im Jahr ein eigenes Magazin. Ansonsten erhalten sie die norwegische Ausgabe.

Im „opið hús“ am Dienstag waren 9 Kinder! 😀 Ich habe für 10 gebetet, fehlt nur noch eins 😉 Am Abend Unglingastarf (Teenagerclub), am Mittwoch „bæn og matur“ mit einer Art Milchreis, dazu Zimtzucker, Käse und isländische Leber- und Blutwurst (kalt, als eine Art Aufschnitt) und Brot. Es war lecker, obwohl die Würste nicht wirklich Geschmack hatten.
Am Abend Jugendgruppe, die zwei Strick-Mormonen kamen vorbei und nahmen Teil, das war echt witzig.
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Hausarbeit. Wir haben zuerst die Heilsarmee von oben bis unten geputzt und danach bei uns zu Hause die Putz- und Hausarbeiten erledigt.

Das ist das Wichtigste dieser Woche 🙂 Ich melde mich wieder!

Ein ganz normaler Tag in Island…

Ja, dies passiert an einem ganz normalen Tag in Island.

Zuerst waren die Schafe „nur“ tot, danach wurde ihnen noch das Fell abgebrannt. Irgendwie finde ich es spannend, die Verarbeitungsschritte mitzuerleben. Aber von nun an werden wir wahrscheinlich nicht mehr allzuviel miterleben. Es war Zufall, dass wir genau heute zweimal an diesem Jeep vorbeigekommen sind.

Sport und so…

Die neue Woche hat begonnen 🙂 Vom üblichen Programm werde ich nicht allzu viel erzählen, ausser es geschieht etwas Besonderes. Gestern und heute haben wir eine freiwillige Einführung in Crossfit. Dies ist eine Art Sport zu treiben, die sehr viel beinhaltet. Ausdauer, Kraftübungen, Schnelligkeit und vieles mehr. Ich besuche die Einführung, bin aber nicht sicher, ob dies mir entspricht. Wahrscheinlich werde ich eher auf Joggen und Unihockey setzen. Ansonsten habe ich hier noch nicht so viel Sport getrieben… Es ist etwas komplizierter hier einen Trainingsplan einzuhalten, wenn das Programm von Woche zu Woche ändern kann. Aber ich habe mir vorgenommen, mindestens einmal die Woche joggen zu gehen und jeweils am Sonntag Unihockey zu spielen. Ich weiss, das ist sehr minimal, aber das heisst, es ist noch ausbaufähig 😉
Ich habe zum Abschluss des MissionTeam-Jahrs von der Heilsarmee Biel einen Gutschein für zwei Stunden reiten in der Nähe von Akureyri bekommen 🙂 Also werde ich noch eine weitere Gelegenheit haben, mich zu bewegen. Mal schauen, wann es passt für diesen Ausflug. Drea wird mich begleiten, das finde ich super!

Ansonsten bin ich fleissig am isländisch lernen. Dabei sein in den Programmen und nach und nach mehr Verantwortung übernehmen, ist immmer noch unsere Hauptaufgabe. Ich weiss noch nicht so recht, wo ich mich mehr investieren möchte. Aber es wird sich zeigen.

Tiefe Fragen und manchmal einfach nur Spass :)

Es ist wahnsinn, wie schnell die Zeit hier vergeht! Schon wieder habe ich eine ganze Reihe Erlebnisse, die ich mit dir teilen möchte 🙂
Am Dienstag hatten wir wieder opið hús für Kinder. Wir haben mit ihnen draussen und drinnen gespielt und ich habe ein bisschen mehr isländisch gelernt 🙂 Nach dem Kindertreff kamen die Teenager für den Teenagerclub. Mit ihnen haben wir ad hock Pictionary gespielt, da Siggi, der eigentlich verantwortlich ist, krank war. Es war super! Ich weiss nicht genau warum, aber ich liebe die Leute hier einfach! Ich liebe die Kinder und Teenager, die jungen Erwachsenen und die älteren bis alten Leute. Mein Herz ist voller Freude darüber, was hier noch alles geschehen kann! Vielleicht ist das unverständlich für dich, aber ich erlebe gerade eine übernatürliche Freude, die nicht erklärbar ist. Es ist super, denn ich weiss, dass ich am richtigen Ort bin und mich Gott hier gebrauchen kann!

Spiel und Spass mit den Kindern vom „opið hús“

Am Mittwoch haben wir mit einem Alpha-Kurs gestartet. Alpha-Kurse sind für Leute konzipiert, die sich die grossen Fragen des Lebens stellen und Antworten darauf suchen. Fragen wie „Wozu bin ich hier?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Wo komme ich her und wohin gehe ich?“, „Was ist echtes Leben?“ Diese und viele andere Fragen werden im Kurs behandelt. Ich freue mich, meine Erlebnisse mit Jesus und den Fakt, dass ER Leben im Überfluss gibt, mit anderen Menschen zu teilen. Falls es dich interessiert, findest du hier noch mehr Infos über Alpha: www.alphalive.ch

Natürlich beschäftigen wir uns nicht rund um die Uhr mit den tiefen Fragen des Lebens. Zwischendurch haben wir auch einfach nur Spass zusammen 😀 Zum Beispiel haben wir am Donnerstag selber Snickers gemacht. War super lecker! Die Idee hinter selbstgemachten Schleckereien ist, dass die Menschen hier in Akureyri einen etwas gesünderen Lebensstil entdecken. Ähnlich wie beim Unihockey. Viele Isländer bewegen sich wenig und ernähren sich ungesund, was dem Körper auf längere Zeit nicht zuträglich ist. Wir versuchen mit verschiedenen Angeboten eine Alternative zu ihrem bisherigen Lebensstil aufzuzeigen.
Und ein nächstes Projekt ist eine Spielesammlung, mit möglichst vielen Spielen für verschiedene Gruppengrössen und Alterskategorien. Das war sehr spannend und lustig!

Süssigkeiten selbstgemacht schmecken doppelt so lecker 😀
Auch die Kinder haben fleissig geholfen
Und das Ergebnis: selbstgemachte „Snickers“ 😀
Und die zweite Leckerei, die wir gemacht haben: Kleine Bälle aus Datteln und Mandeln mit Kokosraspeln rundherum *mjam*

Selbstverständlich hatten wir diese Woche auch wieder „bæn og matur“ (Gebet und Essen). Ich liebe es, an diesen Anlässen isländische Spezialitäten kosten zu können! Zu Hause sind es entweder Drea oder ich, die kochen. Drea kocht super, aber sie ist Norwegerin und kennt die isländischen Spezialitäten ungefähr so gut wie ich… Darum freue ich mich immer auf den Mittwochmittag 🙂 Diesmal hat Hannes, unser Offizier, gekocht. Es gab eine Art Fischküchlein, in der Konsistenz und im Aussehen wie Kartoffelpuffer, dazu Kartoffeln (geschält und im Ofen gebacken) und eine Zwiebelsauce mit kleinen Garnelen. Ich mag Garnelen nicht… Aber der Rest war lecker 😀

 

Hertex, lambalæri und innibandi

Was genau machen wir vom Dynamo-Team eigentlich in Island? Vieles davon wissen wir noch nicht. Aber wir haben viele Ziele. Einerseits wollen wir hier Gottes Reich bauen und die Heilsarmee ganz praktisch unterstützen, andererseits als Leiter wachsen und uns persönlich und im Glauben weiterentwickeln. Dynamo ist eine Art Jüngerschaftsschule, mit dem Schwerpunkt Leiterschaft. Wir haben verschiedene Lektionen, eher im Stil „Blockunterricht“, und aber auch praktische Einsätze. Im Moment sind wir immer noch dabei, die verschiedenen Aktivitäten der Heilsarmee in Akureyri kennenzulernen und zu überlegen, in welchem Bereich wir uns vorstellen könnten, Verantwortung zu übernehmen.

Letzten Freitag haben wir zum Beispiel in der Hertex (Brocki) ausgeholfen und haben eine ganze Wand mit pinken und rosaroten Artikeln dekoriert. Dies hat einen ganz bestimmten Grund. Und zwar ist der Monat Oktober dem Kampf gegen Brustkrebs gewidmet. Die Leute, die bei Hertex einkaufen gehen, sollen für dieses Thema sensibilisiert werden. Auch die Kleiderpuppen haben wir so gut wie möglich mit rosa und pinken Kleidern angezogen.
Mir hat die Arbeit bei Hertex sehr gut gefallen! Und ich habe nebenbei noch eine Winterjacke, eine Latzhose und ein Top mit Schmetterlingen gekauft 😉

Meine neue Winterjacke von Hertex 😀
Latzhose und Top 🙂

Am Samstag hat Lára für uns ein typisch isländisches Gericht gekocht. Wir haben jeweils einen Tag, an dem wir unser Herkunftsland vorstellen. Lára war am Samstag dran und da sie Isländerin ist, hat sie „Lambalæri“ (sprich: „lambbaläiri“, Lammschenkel) gekocht. Es war sehr lecker! Dazu gab es Kartoffeln (wir würden in der Schweiz „Gschwellti“ dazu sagen), Maiskörner und Erbsen. Wir haben auch isländische Musik gehört. Erla, die bei uns zu Besuch war und Lára beim Kochen geholfen hat, sagte, dass es sich wie Weihnachten anfühlt.
Auch ich werde mal dran sein, die Schweiz vorzustellen. Mal schauen, was ich kochen könnte. Fondue und Raclette fallen leider weg, da Lára Käse nicht gut verträgt. Für Ludwig sollte es etwas mit Fleisch sein. Vielleicht hast du ja eine gute Idee?

Lambalæri

Am Sonntag haben wir nach dem Gottesdienst Unihockey (isländisch: „innibandi“) gespielt. Dies ist eine Art, die Leute in Island zu mehr Sport zu bewegen. Die Heilsarmee hat die Sporthalle einer Schule gemietet und wir spielen jeden Sonntag von 13:00-14:00 dort Unihockey. Für alle die kommen möchten, ist es gratis. Es hat super Spass gemacht, aber jetzt spüre ich Muskeln, die ich normalerweise nicht spüre…

Grosser Einsatz von allen
Torschuss für mein Team 😀

Island ist anders

Mein Leben im Moment ist alles andere als langweilig! Vielleicht hast du das schon mitbekommen 😀 Ich erlebe hier sehr viel! Unter anderem klingelt es plötzlich an der Tür und ein isländischer Youtuber versucht, uns seine Talentshow schmackhaft zu machen. Er musste uns erst erklären, dass er in Island berühmt ist und ich glaube, er hat gedacht, wir seien Amerikaner. Wie auch immer, es war lustig. Das würde in der Schweiz höchstwahrscheinlich nicht passieren. Island ist anders.

Auf dem Weg von Akureyri nach Reykjavík (als wir an das Jugendwochenende gingen, ist schon eine Weile her… 😉 ), haben wir Reiter gesehen, die Schafe über die Strasse getrieben haben. Island ist eines der letzten Länder, in welchem der Schafabtrieb von den Weiden im Hochland immer noch praktiziert wird. Die Schafe sind den ganzen Sommer über sich selbst überlassen und werden im September zusammengetrieben, um sie zu scheren und einige zu schlachten. Daher ist ein spezielles Herbstgericht in Island die „kjötsúpa“, eine Fleischsuppe mit Schaffleisch. Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit, diese auszuprobieren. Die Schafe in der Schweiz werden nicht mehr den ganzen Sommer sich selbst überlassen. Island ist anders.

Eine Herde Schafe wird über die Strasse getrieben

Dafür hatten wir heute beim „bæn og matur“ („Gebet und Essen“) ein traditionelles Gericht: „kakosúpa“! Dreimal darfst du raten, woraus das besteht. Genau: aus Schokolade! Es ist eine Schokoladen-Suppe. Sie ist in etwa zu vergleichen mit Schokoladencrème, aber dünner und wird warm serviert. Dazu gab es dicker Rahm (der in Island etwas säuerlich schmeckt), eine Art Zwieback, aber dicker, das in die Suppe gebröckelt wird, Brot, Käse, Eier, geräucherter Lammaufschnitt, Salami, Gurken… Da die Suppe süss ist (schmeckt wirklich wie dünne und warme Schokoladencrème), war die Kombination mit den salzigen Beilagen interessant. Ich fand es sehr angenehm, zwischen zwei Löffeln süsser Suppe mal ein Butterbrot mit Käse zu essen. Ich finde es super, kann ich traditionelle Gerichte probieren! Auch wenn ich nicht alles gern haben muss. Bis jetzt war alles lecker 🙂 Island ist anders.

Was ist sonst noch anders in Island? Die Stromproduktion! Also nicht als solches. Aber Island hat den Vorteil, dass heisses wie kaltes Wasser einfach so aus dem Boden sprudelt. Daher wird ein Grossteil des Stroms (wenn nicht sogar 100%) mit Dampfturbinen oder Wasserkraftwerken produziert.

Stromproduktion mittels Dampfturbinen

Es ist spannend, wenn man an so einem Ort vorbeifährt, wo dampfende Säulen eine heisse Quelle markieren. Da auch kaltes Wasser in schier endloser Menge verfügbar ist, muss ich hier etwas umdenken. Wasser sparen kennen die Isländer nicht. Da man fast aus jedem Bach und Fluss in der Natur trinken kann, wird auch das Wasser direkt von den Bächen und Quellen in die Leitungen eingespeist. Und zwar heisses, wie auch kaltes Wasser. Das ist der Grund, warum das heisse Wasser in Reykjavík stark nach Schwefel riecht. Auch hier in Akureyri riecht man es ein bisschen, aber viel weniger. Beim Heizen muss ich ebenfalls umdenken. Da das heisse Wasser kostenlos verfügbar ist, wird bei offenen Fenstern auf dem Maximum geheizt. Das ist für mich als eher sparsamen Menschen noch gewöhnungsbedürftig. Aber vor allem in unserem Haus ist es wichtig, dass die Fenster offen sind, da das Haus sonst innen feucht wird und zu schimmeln beginnt. Die Fenster sind ebenfalls anders als in der Schweiz. Sie können nicht ganz geöffnet werden, sondern nur wie eine Luke. Daher sind sie meistens Tag und Nacht offen. Island ist anders.

Die Aballtrennung ist anders als in der Schweiz, aber auch ganz ok 😉 Es gibt separate Container für Kompost, Plastik, Büchsen, Papier und Karton, Glas, Getränkeflaschen und Aludosen. In den Kompost kann man alles, was irgendwie biologisch abbaubar ist, reinwerfen, auch Essensreste. Das ist super praktisch! Island ist anders.

In vielerlei Hinsicht ist Island anders als die Schweiz. Aber Akureyri und Biel haben auch ein paar Gemeinsamkeiten: In beiden Städten leben viele einsame Leute, sozial isoliert und von der Gesellschaft abgeschnitten. Die Armut beider Städte ist nicht materieller, sondern sozialer Art. Dem wollen wir hier in Akureyri entgegenwirken, so wie wir das auch in Biel wollen. Die Hertex (Brocki) in Akureyri ist ein Treffpunkt für viele einsame Leute aus dem Quartier, daher werden wir vermehrt dort anzutreffen sein, mit ihnen reden, oder einfach nur da sein. Immerhin kommen schon ein paar Kinder zu unserem „opið hús“ (offenen Haus), aber wir möchten noch sichtbarer werden in der Stadt. Daher gibt es bald eine Sitzung, bei welcher wir besprechen, wie wir als Heilsarmee in der Stadt aktiv werden  und der Not der Menschen begegnen können. Schliesslich sind wir hier, um Liebe, Frieden und Freude zu proklamieren und zu leben. Wir wollen die Liebe Jesu in diese Stadt hinaustragen und Licht in der Dunkelheit sein.  Ich bin gespannt, was da raus kommt!

Was kommt nach der Kurve? Island ist anders und doch nicht so anders

So anders ist Island eben doch nicht. Alle Leute hier sehnen sich nach Liebe und Annahme, genau so wie in der Schweiz. Die Menschen brauchen Jesus, genau wie in der Schweiz. Und unser Gott ist derselbe, hier und in der Schweiz.

Zurück in Akureyri

Juppie, ich bin wieder zu Hause 🙂 Ich bin echt froh, wieder hier zu sein, obwohl Reykjavík auch schön war. Ich mag Reykjavík, aber ich liebe Akureyri 🙂

Der Flug von Reykjavík nach Akureyri verlief problemlos und ich hatte eine fast perfekte Aussicht auf Island. Nur fast perfekt, weil ein Teil der Propellermaschine mir die Sicht verdeckt hat. Aber ist nicht so schlimm. Hier noch ein paar Bilder von Island von oben:

Reykjavík von oben
Überzuckerte Flusslandschaft
Das Fahrgestell vor meinem Fenster
Die Schneefallgrenze ist deutlich zu sehen
Weisse Berge und Sonnenschein! Was will man mehr? 😀
Akureyri von oben
Mit dieser Propellermaschine sind wir von Reykjavík nach Akureyri geflogen

In unserer Abwesenheit hat Schnee die Berge rund um Akureyri überzuckert. Noch ist der Winter nicht hereingebrochen, aber es ist ein ausnehmed kalter September mit Temperaturen unter Null in der Nacht.
Etwas Lustiges haben uns Drea, Ludwig und Herdís erzählt: In unserer Strasse hat es viele Bäume mit orangen Beeren. Diese sind nun fermentiert und die Vögel, die sie fressen, werden davon betrunken. Auf einmal flog ein Vogel in unsere Wohnung und Drea und Ludwig mussten den betrunkenen Vogel wieder hinausscheuchen 😀

Heute hatten wir eine Brunch-Sitzung als Dynamo-Team und am Nachmittag wieder Sprachkurs. Wir lernen immer mehr, aber für mehr als eine sehr einfach Unterhaltung reicht es leider noch nicht…

Es hat übrigens jetzt Fotos zu den Berichten aus Reykjavík 🙂 Uuuund ich werde nach und nach den Fortschritt meines Lopapeysa dokumentieren. Wenn es dich interessiert, schau ab und zu den Artikel zum Lopapeysa an 🙂

Einmal Boden neu „dekoriert“

Gestern hatten wir das erste Mal ein offenes Haus für Kinder („opið hús“ sprich „opi*th* hus“), aber da wir nicht wirklich Werbung gemacht haben, war nur die Enkelin der Offiziere da. Anscheinend hat Birna nicht sehr viele Kinder erwartet, denn sie hat Klebeband in verschiedenen Farben organisiert und uns beauftragt, den Saalboden mit Spielen für Kinder zu bekleben. Es hat echt Spass gemacht und es war super, die Reaktionen der Leute zu sehen, die den Saal betreten haben 😉 Die allermeisten reagierten positiv und die anderen sagten nichts 😉

Lára in Aktion
Drea mit Klebeband. Wir hatten Spass 😀
Das Endergebnis
Sunna, die Enkelin der Offiziere hat Ludwig zu ihrem Gefangenen im Kissengefängnis gemacht. Schlimm scheints dort nicht zu sein 😉

Heute Mittag war „bæn og matur“ (sprich: bäin og *gaaaanz weiches g* matür), was soviel wie „Beten und Essen“ bedeutet. Die meisten Teilnehmer waren über 70 und wir haben den Altersdurchschnitt ein bisschen nach unten gezogen 😉 Es war schön, alte Lieder zu singen, die ich zum Teil auf deutsch kannte. Ich habe einfach den isländischen Text zur Melodie gesungen, hat ziemlich gut geklappt. Nach dem Singen und Beten

wurden wir mit einem sehr typischen isländischen Gericht verköstigt. Ich habe leider wieder vergessen, wie die Wurst heisst, aber sie war sehr lecker. Ja, geräucherte Wurst, die gekocht war, hat es gegeben, dazu Kartoffeln, Erbsen und eine süsse Béchamelsauce. Die Kombination war eigenwillig, aber sehr lecker.

Ich habe gestern mit dem Projekt „Lopapeysa“ gestartet und hoffe, dass ich ihn vor Weihnachten fertigstellen kann 🙂 Zum Strickclub kamen gestern auch zwei junge Mormonen, die einen Lopapeysa stricken wollen. Sie konnten beide überhaupt nicht stricken, aber es war sehr unterhaltsam. Die beiden jungen Herren sind Amerikaner und seit einem Jahr in Island. Sie sprechen laut Herdís sehr gut isländisch, ich war beeindruckt und ein bisschen neidisch. Naja, es geht voran, ich lerne jeden Tag mehr und kann jetzt einfache Sachen sagen. Zum Beispiel:

„Ég heiti Marie-Louise, ég er frá Sviss og ég er tuttugu og níu  ára.“
-> „Ich heisse Marie-Louise, ich bin aus der Schweiz und bin neunundzwanzig Jahre alt.“

„Ég er að læra islensku, ég tala smá islensku. En ég tala ensku og þýsku.“
-> „Ich lerne isländisch, ich spreche nur wenig isländisch. Aber ich spreche englisch und deutsch.“

„Maturinn er mjög góður.“ -> „Das Essen ist sehr gut.“

Und ich kann so nützliche Dinge wie „Du bist eine Giraffe“ sagen 😉
„þú er giraffi.“ Ja, damit kommt man weit im Leben! 😀